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Bin ich nun erwacht, weil die Geräusche doch etwas anders sind als normal? Es ist 5:20 und laut Fahrplan sollten wir um 6 Uhr in Trondheim ankommen und bei einem Blick aus dem Fenster sieht man, dass der Kapitän am Manövrieren ist, vom offensichtlichen Hafengelände aus in einer Rückwärtsfahrt in die dunkle Nacht hinein. Ich schlafe noch eine Runde und bis ich wieder erwache, liegt das Schiff wieder an der zuerst anvisierten Anlegestelle, wo es nun auch bis um zwölf Uhr bleibt.
Man hatte heute drei Ausflüge zur Auswahl. Ein Stadtrundgang, das Freilichtmuseum Trøndelag oder mit dem Bus die Besichtigung des Nidaros-Doms und auch das etwas ausserhalb gelegene Ringve-Museum, für Letzteres wir uns heute angemeldet haben.

Johan Paerson, der Tourmanager Nidaros-Dom im Spiegel Nidaros-Dom auch hier wird geworben Altstadt von Trondheim

Der erste Eindruck von Trondheim ist beim Hellerwerden die kleine vorgelagerte Insel Munkholmen draussen im Meer, die mich sehr an Alcatraz in San Franzisco erinnert. Ihren Namen Mönchsinsel hat sie von ihrer ersten Zweckbestimmung als Benediktinerkloster ums Jahr 1100. Später war es dann wirklich auch eine Strafanstalt und heute werden hier Kaffee und Kuchen serviert. Der Bus führt uns zuerst zum eindrücklichen, gotischen Nidaros-Dom mit seinen wunderbaren, farbigen Glasfenstern, wo Olav der Heilige ‚geheimnisvoll' begraben liegt und sieben Könige gekrönt wurden. Um seine ganze Schmuckfassade aus Speckstein auf ein Bild zu kriegen muss man fast Akkrobatik üben oder ein extra Weitwinkel im Apparat haben. Trondheim, in der Mittte des Landes, von einem Wikinger gegründet, war lange Hauptstadt, wurde dann aber von Bergen abgelöst und nun führt der König halt ins Oslo das Szepter. Auch Trondheim ist Ende des 17. Jahrhunderts abgebrannt, darum hat es jetzt hier überall recht breite Strassen.
Dann steht auf unserem Fahrplan noch das Musikinstrumentenmuseum in Ringve. Vielleicht wegen ungenauen Bestellungen gibt es hier wie vorhin im Dom, etwas Probleme mit den Führungen. Französisch ist nämlich überhaupt nicht gefragt, dafür ist die deutsche Gruppe viel zu gross. Lykke-Lise kommt mit Norwegisch ganz gut zurecht und ich schliesse mich mit Marie-Louise der Englisch sprechenden Führerin an. Ich als Museumsbanause bin ganz begeistert, denn all die historischen Instrumente hier in diesem schön gelegenen Herrenhof werden kompetent in Wort und Ton vorgeführt. Was bin ich wieder stolz, dass ich dem Englischen Vortrag eigentlich problemlos folgen kann. Eine weitere gute Übung für meinen Neuseeland-Winter/Sommer.

im Ringve-Museum Wasser und Häfen in Trondheim Hamol Trondheim weiter geht's

Bis wir von unserem Ausflug wieder auf dem Schiff zurück sind, herrscht blauer Himmel und auf Deck 7 haben sich die Leute auf den Liegestühlen in Hamol-Stellung gebracht. Blau in Blau erscheint auch die Mönchsinsel, an der wir nach dem Ablegen vorbeiziehen. Bald werden nun die Inseln felsiger und auch flacher. Bewundernswert, wie die Kapitäne immer genau den richtigen Weg und befahrbaren Durchgang durch all die tausend Gefahren sicher finden. All die vielen Leuchttürme helfen ihnen sicher auch heute noch dabei. Der Leuchtturm Kjeungskjær, der 1880 erbaut wurde zählt zu den schönsten an der Küste und unser Tourmanager Johan Pearson, bei dem ich gerade in seiner deutschen Information über Fahrt und Ausflüge sitze, hebt gerade rechtzeitig das Rollo vor dem Fenster, so dass man seine malerische Schönheit draussen an uns vorüberziehen sehen kann. Ringsum liegen flache steinige Inselchen und ich frage mich, ob die bei Flut wohl gar nicht sichtbar sind. Überhaupt, auf einem Schiff merkt man nichts von dem Gezeiten-Phänomen. Höchstens beim an-LandGehen, über den Einsteige-Steg, geht es manchmal die Treppe hinunter oder ebenaus und gar einmal sogar die Treppe hinauf, je nach Verhältnis des Wasserstandes zum Pier.
Einmal kommen wir nahe an so einer kahlen Felseninsel vorbei, auf welchem einsam ein Leuchtturm und ein kleines Häuschen steht.
Eine Gruppe von Leuten hat sich dort versammelt und sie winken uns zu. Dreimal hupt unser Schiff, es sind wohl Bekannte vom Kapitän. Ich meine mitbekommen zu haben, dass man diesen Leuchtturm als Ferienhaus mieten kann. Da hätte man ja seine Ruhe - ringsum nichts als ein paar flache Felsen, die bei Flut wohl auch noch untergehen, ein paar Seevögel, die einen besuchen und einmal im Tag ein Hurtigruteschiff das hornt.

vorbei an Munkholmen man kann sich als Kapitän fühlen wenn man warm eingepackt ist... alte Leuchttürme... Kjeungskjær

Bei gutem Wetter fahren wir durch den engen Stokksund, heisst es auf unserem Tagesplan und gutes Wetter ist sicher insofern, wenn das Meer fast ölglatt daliegt. Der blaue Himmel ist zwar inzwischen wieder verschwunden und eigentlich sieht es nun fast bedrohlich aus, wie unser grosses Schiff nahe an steil aus dem Meer aufragenden Inseln, unter Brücken durch und an ins Wasser abfallenden Berghängen entlang navigieren muss. Es ist direkt spannend, welche Abzweigung hinter welcher Insel es nun wirklich nehmen wird. Es ist auch unübersichtlich, so dass sich unser Riese mit seinem mächtigen Horn bemerkbar machen muss. Herrlich tönt das sagenhafte Echo lange von den nahen Bergen und Felsen überall nach.
Dann erobere ich mir einen Sessel zuvorderst in der Lounge und geniesse das Dahingleiten. Man kann sich da richtig als Kapitän fühlen. Für Paparazzi hat man auch ein kleines Podest eingerichtet mit einem mächtigen, richtig seemännischen Steuerrad. (Hat ein solches überhaupt einen speziellen Namen?) Dabei habe ich im Film gesehen, dass die Nordkapp mit einem winzig kleinen Hebelchen gesteuert wird….
Das Meer ist spiegelglatt und es ist windstill und ich will gerade duschen, als der Kapitän in einer Durchsage Wale auf Steuerbord meldet. Schnell bin ich wieder angezogen und stürze mich nach draussen. Ich habe Glück, ich sehe noch zwei mächtige Rücken über die Wasseroberfläche gleiten und ein Geplantsch und Gepuste, aber es ist doch recht weit entfernt. Jetzt wäre doch mein Fernglas angebracht, aber in der Eile habe ich natürlich meinen Kabinenschlüssel, den ich an einem Bändel immer schön um den Hals trage, vergessen wieder anzuziehen und so tummeln sich die Wale ohne mich dort draussen, bis wir vorbei sind und bereits wieder beginnen Folda, eine offene Seestrecke zu überqueren und ich mich auf die Suche nach meiner Zimmerkameradin machen muss.

Windenergie es gibt Leuchttürme, die man sogar mieten kann die Strasse endet im Meer dann kommt Folda, offenes Meer Buholmråsa Fyr

Zum Nachtessen gibt es heute einen wunderbaren Fisch und Lykke-Lise spendiert uns allen den passenden ‚Hurtigruten White Wine' dazu.
Morgen zwischen 6:30 und 8:00 Uhr werden wir den Polarkreis überfahren. Ein spannendes Ereignis. Man fand an der Kabinentür das Angebot, für nur 55 Kronen einen Gutschein zu kaufen, mit welchem man morgen um sieben Uhr auf Deck 7 ein Glas Sekt kredenzt bekommt. Ausserdem gibt es einen Wettbewerb, wo man erraten muss, um welche Zeit genau dieses Ereignis stattfindet. Wir beschliessen unisono, zwar dabei zu sein, aber für Sekt ist es uns dann doch zu früh.
Während des Nachtessens sind wir in Rørvik angekommen. Das Schiff verlangsamt seine Fahrt indem es wohl die Schubkraft der Schrauben umkehrt. Dieses Manöver merkt man nun im Gegensatz zu den Kabinen, hier im Heckteil wohl über den Maschinen besonders gut. Ein Rütteln und Lärm erfüllt den gediegenen Essraum und man versteht überhaupt kein Wort von den Durchsagen über Ort der Landung und Abfahrtszeit.


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