Home Montag, 15. August zum nächsten Tag

Die Sommerwanderer teilen sich dieses Jahr schon im Bahnhof Basel in zwei verschiedene Gruppen. Marie-Louise konnte vier weitere Frauen für eine etwas weniger anstrengende Tour ins Greyerzerland animieren und weil ihr Zug erst in einer Viertelstunde fährt, winkt sie, Lykke-Lise und Regula uns in unserem Zug Richtung Wallis auf Perron 14 nach. Dank Stau ist es für mich jetzt noch beinahe knapp geworden und kurz vor Abfahrt schaffte ich keuchend einen kurzen Begrüssungs-Abschieds-Kuss und los geht's!
Ausser Knud, Klaus und Pascal sind auch Annigna, Hans und Lisbeth im Zug. Priska, genau wie Pascal auch zum ersten Mal dabei, steigt in Laufen zu und Herbert und Katrin werden uns in Les Cerniers erwarten. Sie wollen anschliessend im Wallis noch ein paar Tage mehr geniessen und sind mit dem Auto dorthin gefahren. So haben wir diesmal eine gut ausgewogene Gruppe von zehn Teilnehmern, Frauen und Männer im Gleichgewicht plus Ria, Herberts Hund.
Versprochen wurde uns eigentlich eine sonnige Woche und tatsächlich, je mehr wir uns dem Wallis nähern, verschwinden langsam die Regenwolken, die uns noch ein Stück des Wegs begleitet haben. Von Montreux aus sollte man freie Sicht auf die Dents du Midi haben, aber dort in Richtung Rhonemündung tummeln sich noch so viele weisse Kullerwolken, die höchstens ab und zu einen kurzen Spot auf eine Spitze oder Zacke des dort versteckten Berges zulassen und unsere Neugierde noch etwas bändigen.

Hans und Pascal Lisbeth und Priska Rita und Annigna Klaus und Knud Brillenschaden

Von Aigle geht's in einer Art Strassenbahn durch die industriereiche Ebene der Rhone hinüber nach Monthey, was schon bald die Ortschaftstafel am Strassenrand verkündet. Die Bahn hält bei einem grossen Einkaufszentrum. Ist hier der Zielbahnhof, in welchem wir aufs Postauto wechseln müssen? Hans will nachschauen und es reicht ihm gerade, seine Nasenspitze aus dem Zug zu strecken, als auch schon die Türe wieder zugeht und der Zug weiterfährt. Der Nase hat es für den Rückzug gereicht, aber der Brille nicht. Verzweifelt hält Hans diese am Bügel fest, deren Fortsetzung von der andern Seite der Gummidichtung nun verbogen und einäugig von draussen zu uns hereinschielt. Natürlich geht die Tür bis zur richtigen Endstation in Monthey nicht mehr auf und zu allem Elend muss man erst noch auf der andern Seite aussteigen. Auf mein verzweifeltes Gestammel reagiert der Lockführer zuerst mit Neugierde und als er Hans in seiner misslichen Lage erblickt, meint er nur lakonisch: "ah - les lunettes!", klettert in den hinteren Führerstand und öffnet auch auf der andern Seite die Tür, damit nun Hans seine Klapp-Brille begutachten kann. Man sollte doch zur letzten Station zurückfahren können, um wenigstens nach dem Glas zu suchen, aber eben fährt das blaue Bähnli aus dem Bahnhof. Ich schlage vor, mit einem Taxi schnell dorthin zu fahren, aber Hans meint, er müsse sowieso eine neue Brille haben und ausserdem fährt in fünf Minuten unser Postauto. Eine Ersatzbrille habe er dabei. In meinem Rucksack läutet das Handy. Es ist Herbert, der probiert, uns kurz zu begrüssen, aber nicht genau weiss, auf welchem Bahnhof wir ankommen. Es hat davon deren zwei und ich wegen der Brille, genau wie das Glas, total aus der Fassung, meine, er wolle von hier aus auch mit dem Postauto mit nach Les Cerneirs fahren. Dabei hat er uns noch nicht gefunden und das nächste Postauto fährt heute wegen heiligem Sonntag erst wieder um fünf Uhr! (Hätte ich einen klaren Gedanken fassen können, hätte ich ihm auftragen können, mit Hans das Brillenglas bei der letzten Haltestelle suchen zu gehen. Vielleicht wäre es dann noch ganz gewesen. Auf der Heimreise haben wir es nämlich vom Zug aus noch immer dort liegen sehen, aber leider zerbrochen.)
Während uns das Postauto in gut einer halben Stunde auf der engen Strasse in vielen Kurven immer höher aus dem Tal hinauf bringt, beruhigt sich mein aufgewühltes Gemüt so langsam. Immer weiter beginnt sich die Aussicht über das Industriegebiet, den Unterlauf der Rhone und bald bis zum Genfersee hin auszuweiten.
In Les Cerniers Restaurant, wo die Strasse zu Ende ist, können wir nun Herbert und Katrin mit ihrer Ria begrüssen. Die Zeit wäre gerade richtig für die Mittagspause, da aber das Restaurant, nach welchem die Endstation benannt ist, geschlossen und verlassen aussieht, nehmen wir dessen Sonnenterrasse für unser ausgiebiges Picknick in Anspruch.
Wir haben zu unserer heutigen ersten Unterkunft nur einen etwa einstündigen Fussmarsch und zweihundert Höhenmeter zu bewältigen. Noch dampft der Wald und Nebelschwaden treiben sich zwischen den Bäumen herum. Aber die Himbeeren sind reif und anstatt eines Kaffees vorhin im Restaurant, gibt es dafür hier frische Waldhimbeeren zum Dessert.

Tal der Rhone Willkommen Katrin und Herbert! Picknick vor dem geschlossenen Restaurant in Les Cerniers Beeren locken hier beginnt die Rundwanderung

Nur weil wir uns an die Wanderwegzeichen halten, erwischen wir die Direttissima über Les Plans bis nach Les Jeurs und erreichen knapp vor zwei Uhr bereits das Centre Sportif, welches für uns der Ausgangspunkt auf unserer Tour des Dents du Midi ist.
Monsieur Jordan, der Hüttenwart ist noch gar nicht da. So früh erwartet er wohl seine Gäste nicht. Bis er von Les Giettes hier ist, probiert Pascal seine neue Handwaage an den Rucksäcken aus und Annigna beweist, dass es auch leichter geht: ihr Huckepack ist mit ungefähr sieben Kilo einsame Spitze.

Les Jeurs hereinspaziert! wie schwer bist du? der leichteste Rucksack mit 7 Kilo warten auf den Wirt Katrin und Herbert

Während nun bald die verschiedensten Düfte von frischem Brot, süsser Wähe usw. von der Küche durchs Haus dringen und man sich lesend oder dösend irgendwo in eine Ecke zurückgezogen hat, sich im Salon an tiefschürfenden, politischen Diskussionen beteiligt, oder gar im Wald nach Pilzen Ausschau halten will, lockern sich draussen die noch herumirrenden Wolken immer mehr auf, um den Himmel für unsere Wanderung morgen in einem reinen Blau startklar zu machen.
Unsere fünf Kajütenbetten in zwei hellen Räumen sind mit Duvets ausgerüstet und jeder hat sogar seinen eigenen Kasten zur Verfügung, eigentlich ein sehr komfortables Dortoir.
Darüber, was der Fleischsauce am Geschnetzelten seinen speziellen Geschmack verleiht, rätseln wir lang, bis uns der Chef de Cuisine sein Geheimnis verrät: Es seien zwei verschiedene Currysorten, Martini, Ingwer und sonst noch ein indonesisches Gewürz drin. Nach dem Nachtessen ist es noch hell und viel zu früh, um ins Bett zu gehen. Man installiert sich also mit Jasskarten im oberen Stock. Denjenigen, die nicht so jassbegeistert sind, probiere ich, das Grossmutterspiel etwas näher zu bringen. Meine Enkel sind jedenfalls immer begierig darauf, eine oder zwei Runden zu spielen. Ich habe Zehner und Zwanziger, die das Portemonnaie immer so dick gemacht haben, gesammelt und verteile dann jedem zwanzig Münzen. Am Anfang wird abgemacht, wie viele Runden gespielt werden und am Schluss des Spiels müssen mir wieder 20 Münzen abgegeben werden, falls das noch möglich ist. Wenn man Glück hat, hat man am Schluss mehr als zwanzig und die darf man dann behalten. Die Grossmutter füllt dann einfach den Tresor wieder auf.
Ein Spieler ist die "Bank" und der teilt von einem gewöhnlichen Jasskartenspiel jedem Spieler 5 Karten aus, die man offen vor sich auf den Tisch legt. Dann legt die Bank eine Karte offen vor sich auf den Tisch. Jeder, der bei seinen Karten eine gleichwertige besitzt, zahlt für jede davon eine Münze in den Topf auf dem Tisch. (Das Spiel geht auch mit Spanischen Nüssli etc.) Für die zweite Karte, die die Bank auf den Tisch legt, kostet eine gleichwertige bereits 2, für die Dritte 3, die Vierte 4 und die Fünfte 5 Münzen oder Nüssli. Also, wenn die Bank als fünfte Karte eine Dame legt, bezahlen alle, die eine Dame vor sich auf dem Tisch haben, fünf oder gar 10 Münzen oder Nüssli, wenn sie zwei Damen vor sich liegen haben. Dann geht die Tour rückwärts. Für die nächste Karte kann ein Besitzer einer gleichwertigen Karte 5 Münzen aus dem Topf nehmen, für die zweite 4, für die dritte 3, für die vierte 2 und für die fünfte gleichwertige Karte, die die Bank legt, eine Münze. Ist nicht genug Geld im Topf, muss die Bank von ihrem Geld dafür gerade stehen und ist noch Geld im Topf übrig, bekommt es die Bank. Nun wird der nächste Spieler die Bank und eine Runde ist beendet, wenn jeder einmal als Bank dran war. Hat jemand kein Geld mehr, besteht evt. die Möglichkeit bei einem Mitspieler Kredit aufzunehmen. Bei mehr als vier Spielern braucht es evt. 2 Kartenspiele.


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