Coromandel - Opal Hot Springs
Bevor wir Coromandel wieder verlassen, muss ich dort im Restaurant beim
grossen Pfefferbaum noch einen Kaffee haben. Drinnen in der Gaststube steht
auch ein geschmückter Weihnachtsbaum. So kommen wir mit der Wirtin ins
Gespräch über Bäume. Dass der riesige Pfefferbaum vor dem Haus,
nach dem auch das Restaurant benannt ist, 'nur' etwa hundert Jahre alt sein
soll, erstaunt mich richtig. Das ist für einen Pfefferbaum allerdings
beachtlich. Auch dass wir in Waiomu die schönsten Pohutukawas sehen
können, verrät sie uns. Das läge ja an unserer geplanten
Weiterreise. Weil im Süden vielleicht ein bisschen besser Wetter zu
erwarten ist, haben wir uns entschlossen, uns nun dorthin zu wenden. Nachdem
uns die Strasse nach unserer Abfahrt zuerst nochmals über einen
Hügel geführt hat, von wo man in weiter Ferne sogar den Skytower in
Auckland ausmachen konnte, sind wir nun steil hinunter wieder am Meer, wo
grosse Muschelzuchten zu sehen sind. Von da an fahren wir alles dem grossen
Meeresarm, dem Firth of Thames ganz dem Wasser entlang und hier blühen
sie nun überall, meine Pohutukawas. Irgendwo finden sie am Steilufer
zwischen der Strasse und dem Wasser eine Ritze, wo sie sich mit ihren
verknorzten Stämmen und Wurzeln festhalten. Auf der linken Seite klammern
sie sich manchmal im rechten Winkel zum steilen Strassenbord in die Felsen und
bilden für den Verkehr fast einen Tunnel. Die Maori glauben, dass an
ihren Wurzeln die Seelen der Toten ins Meer gleiten und sie so ihre Heimreise
beginnen. Wir halten mehr als einmal an, um besonders eindrückliche,
mächtige Exemplare zu bewundern und in Waiomu kommt doch wirklich gerade
wegen uns die Sonne zwischen den Wolken hervor, damit das Rot auf den
Bäumen in einem Park am Strand so richtig aufglüht. Dabei sieht man
vielleicht einen Kilometer weiter im Land einen Regenvorhang vorbeiziehen.
Wir machen auch noch einen Zwischenstopp beim Schmetterlingshaus, für
welches wir vor vier Jahren keine Zeit hatten. Es ist nicht sehr gross, aber
erstaunlich viele Sommervögel umflattern und umtanzen hier die
wunderschönsten Orchideen. Sogar einen Eier legenden Atlasspinner
können wir hier bewundern und einer der vielen Blauen Morpho öffnet
ausnahmsweise seine schillernd blauen Flügel auch beim Absitzen auf einem
Blatt. Normalerweise zeigen sie einem nur deren braune Unterseite mit den
grossen Augen drauf, die einen gefährlichen Eindruck machen sollten.
Dann haben wir die Coromandel hinter uns. In Paeroa halten wir an, weil wir
uns hier entscheiden müssen, welche Richtung wir nun weiter einschlagen
sollen. Weil wir so in unsere Karte vertieft sind, fragt uns ein Passant, ob
wir uns verfahren hätten. Wir zögern noch, wieder an die Küste
zu fahren, denn heute ist der 22. und dieses Wochenende beginnen in Neuseeland
die Ferien. Alle haben zwischen Weihnachten und Neujahr sowieso frei und die
Campingplätze erwarten für diese Zeit Hochbetrieb, so dass man fast
besser vorreservieren sollte. Aber wir haben ja keinen genauen Fahrplan,
vielleicht bleiben wir lieber etwas im Landesinnern. Der Mann gibt uns den
Rat, hier am Fuss des Höhenzuges, der noch zwischen uns und der
Küste liegt, Richtung Matamata zu fahren. Es hat verschiedene heisse
Quellen hier und Opal Hot Springs sei noch ganz schön. Dort hat es auch
einen Campingplatz, den wir nun anvisieren. Das Land ist hier wieder viel
ebener und die Strasse führt kilometerweit immer geradeaus. Kurven hat
sie höchstens noch in der Höhe. Sie wurde einfach so in die
Landschaft gelegt, wie es sich bot. Hügelchen hinauf, Hügelchen
hinunter, aber einfach schnurgerade, so dass man manchmal vier oder fünf
Buckel in der Strasse sieht und entgegen kommende Autos immer wieder
auftauchen und verschwinden. Ein brauner Wegweiser macht auf die Wairere
Falls, eine 'Scenic Reserve' aufmerksam. Haha - hier in der Ebene ein
Wasserfall, vielleicht wie jenes Rinnsal, das wir einmal angetroffen haben,
als wir gar über zehn Kilometern einem solchen Hinweis gefolgt sind. So
spötteln wir noch, bis unser Blick an den Hügel hinüber
schweift, dem wir entlang fahren. Dort sieht man ihn, den reinsten
Niagarafall, über die halbe Höhe des Berges! René steht
gerade auf die Bremse und wir kehren um. Vom Parkplatz aus sieht man
allerdings nichts mehr von dem Wunder, da muss man schon mindestens 45 Minuten
wandern, bis man nur beim ersten Lookout ist. Sollen wir das? Es dräuen
dunkle Wolken am Himmel, aber trotzdem wagen wir es. Es geht wieder alles
durch den Wald und von nirgends könnte man auch nur etwas von den
rauschenden Wassern sehen. Ich kehre lieber wieder um. Er lässt sich
nicht beirren und geht weiter. Es sind sicher nur noch ein paar Minuten. Mich
treibt es zurück zum Camper. Es ist doch ein ziemlich einsamer Parkplatz
und man kann nie so sicher sein in Abwesenheit von unliebsamen Besuchern
überrascht zu werden. Ein etwas lädierter Fensterrahmen auf der
linken Seite unseres Autos deutet auch auf so ein Ereignis hin. Der Camper hat
gut 27000 km auf dem Zähler. Ich habe Glück, denn schon fast in
Sichtweite des Parkplatzes beginnt es zu tröpfeln und ich kann gerade
noch ans Trockene schlüpfen. Dann beginnt es zu schütten und eine
halbe Stunde später erscheint René platschnass. Er hat ausser
jenem am Berg, auch noch einen Wasserfall vom Himmel erlebt.
Es sind nur noch sechs Kilometer bis Opal Hot Springs, wo wir noch einen
Standplatz aussuchen können. Vom gratis zur Verfügung stehenden
Swimmingpool, gespeist von den heissen Quellen, müssen wir natürlich
nach diesem Regenguss Gebrauch machen. Die Temperaturen sind im grossen Becken
37, in einem kleineren 40 und in fast einem Planschbecken gar 41 Grad. Das
Wasser ist ziemlich mineralreich. Es ist leicht gelblich und ein tropfender
Hahn hinterlässt im Trog gleich eine rostige Spur. In der Nacht schlafe
ich jedenfalls herrlich, trotz prasselndem Regen aufs Auto.
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