Unser Scenic Circle Hotel bietet wirklich verschiedene Szenerien. Gestern Abend
konnte man an den grossen Norfolktannen vor dem Fenster nochmals die rot und blaue
Weihnachtsbeleuchtung bewundern. Was mich aber richtig wunder nimmt, ist die Frage,
wo heute Morgen die Sonne aufgehen wird, denn wir sehen genau Richtung Osten aufs
Meer hinaus. Diese Gelegenheit, die Sonne aus dem Meer aufsteigen zu sehen, hatte
ich glaub erst ein oder zweimal und dann war immer noch ein Wolkenband davor. Klar,
dass ich also schon kaum, dass es hell geworden ist, mit der Kamera bewaffnet beim
Fenster auf der Lauer sitze und gespannt beobachte, wo der Schein am Horizont
heller wird. Eine zarte Schliere am Himmel wird für einen Moment leicht rosa,
seine Intensität scheint mir aber ausgerechnet hinter der grossen Tanne am
stärksten zu sein. Tatsächlich, genau wie unterwegs, wenn ich aus dem
fahrenden Auto ein Foto machen will und mit Sicherheit ein Kandelaber, Gebüsch
oder Verkehrsschild oder sogar schon einen Spiegel mitten im Bild hatte, so steigt
jetzt die Sonne genau hinter dem Stamm des Baumes golden aus dem Wasser herauf.
Wenn das nicht der Pfosteneffekt ist, der mich schikaniert!
Zuerst wird die zarte, neue Haut auf der Nase mal sorgfältig mit Sonnenschutz
eingecrèmt. Gegen den Wadenspanner als Folge der 600 Stufen gestern, kann
man nicht viel tun.
Um neun Uhr, bei Türöffnung stehen wir bereits beim National Aquarium auf
der Matte. Ein Unterwassertunnel, wo man mittels Rollband Haifische und andere
Meerstiere beobachten kann, ist die Attraktion hier. Unter anderem finde ich auf
einer Informationstafel auch heraus, dass der Crayfisch, der mir so gut geschmeckt
hat, ein Hummer ist!!
Für unsere Weiterreise durchs Inland Richtung Wellington, haben wir wiederum
schönes Wetter bestellt und heute haben wir schon ein bisschen mehr
Möglichkeiten zu einem Cappuccino zu kommen. In Waipukurau gibt's doch eine
Hauptstrasse mit einer Nationalbank, übrigens auch im Art Déco-Stil,
eine Handvoll Geschäfte, Tankstelle und eben ein Café.
Danevirke, wurde von Dänen gegründet, welche hier als Siedler zuerst
einen dichten Regenwald roden mussten. Ein grosser Wikinger begrüsst einen auf
der Ortstafel und winkt auch von der Terrasse beim Visitor-Center. Vom früher
fast undurchdringlichen Urwald ist heute nichts mehr zu sehen. Die langgezogenen,
flachen Hügel zwischen den weit voneinander entfernten Ortschaften sehen heute
eher nackt und braun aus. Bei Woodville wurde dafür ein ganzer Hügel mit
Hunderten von Windrädern aufgeforstet. Alsdann öffnet sich eine weite
Ebene. Ein reiches Früchte- und auch Weingebiet. Als fakultative Besichtigung
en Route wird einem das Mount Bruce National Wildlive Centre empfohlen, oder
Martinborough, die Weinhauptstadt dieser Region zu besuchen. Wir haben aber heute
weder für das Eine noch das Andere Lust. Wir möchten lieber bald in
Wellington sein. Zuerst muss aber noch eine kurvenreiche Bergstrecke, über
welche ein heftiger Wind streicht, überwunden werden, bevor man über
Upper und Lower Hutt in die Suburbs von Wellington einfährt.
Wir treffen wieder zielgenau vor dem Hotel ein. Das Holiday Inn, eröffnet
2006, mit 280 Zimmern, zeigt sich gediegen mit Valet Parking zu 25$ pro Nacht.
Besser als ein so neues Auto auf der Strasse stehen zu lassen, falls man
überhaupt das Glück hat und einen Parkplatz finden sollte. Im Zimmer
hat's wieder allen Schnickschnack, von der Mikrowelle, über eine elektrische
Pfanne plus Kochplatte, Spültrog etc. Auf den beiden grossen Betten hat es
nicht weniger als 18 Kissen, dafür gibt es nur einen einzigen Stuhl an einem
kleinen, an der Wand befestigten Pult-Tisch. René streckt zuerst etwas die
Beine, dann zieht es uns zum Hafen und wir finden unterwegs die Talstation vom
Cable Car.
Das ist eine Standseilbahn, welche uns auf den nahen Hügel zum Botanischen
Garten bringt, von wo man eine herrliche Aussicht auf Wellington und seinen grossen
Binnenhafen hat.
Im grossen botanischen Garten befindet sich auch das Observatorium. Die Sonne ist
bald am Untergehen und auf unserer Suche nach den Kakteen und Sukkulenten holt uns
ein richtiger Sturmwind ein. Wind ist wohl das Markenzeichen von Wellington. Die
schmale Meerstrasse hier zwischen den beiden Inseln muss für die Seefahrer
deswegen berüchtigt sein.
Wieder unten in den schützenden Schluchten zwischen den gläsernen
Hochhäusern, laufen wir Einkaufstaschen nach und finden am Samstag Abend einen
offenen Laden und decken uns mit Brot, Convenience-Food und einer Flasche
Neuseeländischem Wein ein. Wer Wein kauft, muss sich ausweisen, dass er schon
18 war, jedoch mir glauben sie das auch ohne ID. Ich erstehe einen Cabernet Merlot
aus der Hawkes Bay, wo wir heute durchgefahren sind. Zuhause wird gefeiert, ich mit
einem Gigot mit Härdöpfelstock und Erbs mit Rüebli und René
hat einen Härdöpfelgratin, was wir komfortabel in der Mikrowelle
zubereiten können. Mangels eines anständigen Tisches, wo man zu zweit
essen könnte, wird halt das Bügelbrett und der einzige Stuhl vor das Bett
gestellt. Ein Frottetuch aus dem Badezimmer wird zum Tischtuch und wir feiern Lamb
Wellington im Holidy Inn. Was denken die wohl morgen, wenn sie die Knochen im
Papierkorb finden?